Bilder & Berichte
2024: Radtour zum neuen Waldlehrpfad im Stadtwald Dorsten mit dem Förster Bernhard von Blanckenburg
Dienstag, 22.10.2024
Es war eine etwas andere Radtour als gewohnt, als sich die für diese Tour interessierten Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Radstation einfanden.
Das Wetter war optimal an diesem Tag und Bernhard von Blanckenburg, schon zu Beginn an begeistert von diesem, seinem Thema.
Ablauf der Tour
Von der Radstation aus ging es auf die andere Seite des Bürgerbahnhofs auf die Gelsenkirchener Straße, dann rüber auf die andere Seite der Vestischen Allee und weiter an der Glashütte hoch über Rapphoffs Mühlenbach und der Ovelgünne nach rechts in die Hasselbecke rein. Vorbei an dem Platz des SPD-Sommerfestes. Einen Steinwurf weiter an der Stadtgärtnerei gab es einen kurzen Stopp und das damalige Forsthaus der Stadt Dorsten wurde vorgestellt. Von hier aus war die stark befahrene B225 nicht weit. Nach deren Überquerung dann weiter zum Eingang unseres Zieles, dem neuen Waldlehrpfad des Barloer Buschs.
Hier nun stellte sich Bernhard von Blanckenburg erst einmal vor, indem er seinen Werdegang bis hin zum Erschaffer des Waldlehrpfades – zusammen mit Georg Tenger, dem ehemaligen Leiter der Biologischen Station Recklinghausen in Lembeck – der Gruppe erzählte: Er wurde 1952 in Waltrop geboren und kam nach seiner Ausbildung und dem Erwerb eines reichhaltigen Wissens- und Erfahrungsschatzes 1987 dann nach Dorsten. Von da an bis Ende 2017 arbeitete er für den damals neu geschaffenen Forstbetriebsbezirk Dorsten im Forstamt Recklinghausen, den er bis zu seiner Pensionierung leitete. Dabei kannte er Dorsten zunächst nur flüchtig, denn 1978 absolvierte er hier ein halbjähriges Forstpraktikum. 2012 wurde er vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW in Kooperation mit der Natur- und Umweltschutzakademie NRW zum zertifizierten Waldpädagogen ausgebildet. Dieses hat sein Bemühen um einen Waldlehrpfad der besonderen Art und den Erhalt der städtischen Bildungseinrichtung nur verstärkt. Nach der Einführung am Waldeingang des Barloer Busches zog unsere, mittlerweile auf 15 Personen angewachsene Gruppe weiter, mit dem Förster voran. Fragen zu Kriegsschäden durch Bombensplitter in den Eichen und deren schwierige Verwertung oder zum Gedenkstein für Ferdinand von Raesfeld wurden unterwegs beantwortet, bevor man schon bald die Schutzhütte erreichte. Hier wurde eine Stelle unter den Buchen begutachtet, wo schon bald eine Sitzbank, eine Spende der Sparkasse Vest in Dorsten, aufgestellt werden soll. Eine komplette Schulklasse hat dann hier die Möglichkeit, sich ein Weilchen auszuruhen und sich zu verpflegen. Die Wichtigkeit einer Naturbegegnung von Kindern im Wald wurde vom Förster wiederholt betont. Schon das alleinige Laufen durch den Wald ist ein Erlebnis. Hinzu kommt das Kennenlernen von Tieren, von Bäumen, von Regenwürmern und Moosen und deren ökologische Funktion. Im freien Spiel und im spielerischen Lernen gelingt dabei ein soziales Miteinander der Kinder. Sie lernen sich hier im Wald neu kennen.
Der Barloer Busch mit dem Waldlehrpfad ist seit 2017 ein anerkannter außerschulischer Lernort und sollte eine Dauereinrichtung bleiben. Es geht weiter. Verschiedene Baumarten am Wegesrand, rechts eine kleine Gruppe von Schwarzpappeln, und gegenüber Erlen, die naturgemäß direkt am Bach stehen. Dahinter folgt links eine Rarität, sagt der Förster, ein Winterlinden-Wäldchen. Die Bäume müsste man im Frühjahr sehen, sie sind sehr schön, hochgestreckt, vital und grün, bestes Schnitzholz und vielleicht heutzutage das Wichtigste, dass sie Chancen haben, die zunehmende Hitze und Trockenheit in den nächsten Jahren zu überstehen. Was eine breite Standortamplitude der Baumart ist und was sie bedeutet im Klimawandel, das erläuterte der Forstmann. Man findet die Winterlinden direkt am Waldlehrpfad. Ein Schild weist darauf hin. Nun ist es nicht mehr weit bis zu einer Beobachtungsplattform aus Holz, die vom Hegering errichtete wurde und einen Blick auf eine Aufforstung gewährt, nachdem alle Fichten, die dort vorher standen, wegen des Sturmes Frederike und der Trockenjahre 2018-2020 gefällt werden mussten. Nun sind wir wieder auf dem Waldlehrpfad und entdecken immer wieder zwischen Brombeeren, Farnkraut und Haselsträuchern einige Info- Tafeln, kleine und große, über Waldgeschichte, vorkommende Tiere, über Esskastanien und Kiefern, die an Ort und Stelle einen Einblick in weitere Zusammenhänge geben. Ein weiteres Schildchen stellt eine Übung vor, bei der man die Augen schließt und auf die Waldgeräusche hört. Na; man kann sich vorstellen: Vogelstimmen, ein fernes Hundegebell, das gleichmäßige Brummen von Autos und vielleicht knackt auch mal ein Ast. Spannend. Bernhard von Blanckenburg dreht sich nun zur anderen Seite des Weges und weist auf die Maßnahmen hin, die gegen Bergschäden ergriffen wurden. Dorsten war seit 1913 Bergbaustadt und es sind Schäden entstanden, nicht nur an den Bauten im Stadtsfeld, die teils gravierend waren, sondern auch im Barloer Busch und die anhielten bis zum Ende des Kohleabbaus im Jahre 2008. Durch den Bergbau sank der Wald herunter ins Grundwasser. Die Vorflut im Wald kippte dadurch in eine andere Richtung und größere Abflussgräben mussten angelegt werden. In Sichtweite von uns wurde zudem ein Wassersammelbecken gebaut und ein schönes kleines ziegelrotes Pumpwerk, das bei Überschwemmungen, das Wasser in den Rapphoff´s Mühlenbach pumpt. Dies alles ist näher noch nachzulesen mit einem QR Codes, der auf den großen Info-Tafeln an allen Waldeingängen des Barloer Busches zu finden ist. Nun aber weiter.
Hohe Eichen und Buchen säumen den Weg. Das Laufen tut gut und der Wald tut uns gut. Vorbei an einer Totholz Station und Schildern mit Gedichten von Kästner und Rilke („ mit Bäumen kann man wie mit Brüdern reden“) ging es hin zu einem Waldstreifen, wo wir aktuelle Probleme diskutieren können. Welche Baumarten sind eigentlich noch sicher und haben Zukunft? Wie soll man den Wald bewirtschaften? Der Klimawandel ist doch eine ernste Bedrohung. Wir erreichen einige Douglasien. Sie sind schon sehr hoch und mächtig und sind sehr bedeutungsvoll für die Zukunft. Sie können die Fichten ersetzen, weil sie die Trockenheit viel besser vertragen können. Der Wald ist dort, wo sie stehen besonders schön und bietet ein abwechslungsreiches Bild. Nun taucht rechts eine der neu gesetzten Bänke auf und ein Schild auf einer Stele mit einem Text des berühmten Grafikers Tomi Ungerer. Er schrieb von seinem Alterssitz in Irland aus nach Dorsten für den Waldlehrpfad u.a.“ Bäume sind zuverlässiger als Menschen.“ Das schrieb er uns direkt ins Gewissen. Ist das nicht wunderbar? So eine Ermahnung über die man lange nachdenken kann. Das ist doch auch der Sinn eines solchen Waldlehrpfades - uns als Gesellschaft, als Menschen zu spiegeln, wie ist unser Verhältnis zur Natur. Wie ist unser Einsatz? Wie setzen wir unsere Liebe zur Natur, die wir doch wichtig finden eigentlich um? Nun aber weiter. Wie schnell die Zeit vergeht. Wir passieren Hinweise zur ökologischen Waldbewirtschaftung und zu Sturmschäden, die uns immer wieder ereilen, bevor einige Beiträge von Erhard Eppler und Jane Goodall erscheinen. Wirklich berührend, was die beiden Prominenten geschrieben haben. Das soll jetzt hier nicht alles verraten werden. Ihre Beiträge verleihen dem Waldlehrpfad etwas Besonderes, etwas Bleibendes.
Wir laufen gut über den Weg, die Bankette wurde im Sommer freigeschnitten. Links nun ein Feuchtbiotop mit blühenden Schwertlilien, jeden Sommer wunderschön, da bleibt man stehen und genießt den Anblick. Dazu passt die Erlenbruchwald -Tafel. Gegenüber ganz etwas anderes, eine kleine Gruppe Zypressen, wie man sie nicht so oft in unseren Wäldern sieht, die aus Nordamerika stammende Lawsons Scheinzypresse. Sie ist eine wunderschöne immergrüne Baumart, schattenertragend und robust mit hoher Anpassungsfähigkeit. Ein Baum mit Zukunft. Wenn man die Nadeln zwischen den Fingern gut zerreibt, duftet es aromatisch nach Zitrone. Die Exemplare haben mittlerweile eine stolze Höhe und Mächtigkeit und beeindrucken uns. Es sind Exoten und so sehen sie auch aus und bereichern die heimische Pflanzenwelt. Direkt davor, warum nicht mal so etwas, eine Recyclingbank, einfach eine ganz tolle Stelle zum Entspannen so mitten im Wald. Ja, das muss man sagen, überall sind Bänke aufgestellt worden und man kann eine schöne Pause machen. Und ja, gleich ist es für uns auch so weit. Wir kommen jetzt zum Ende des Rundgangs. Wir sehen einen Text an von der damals 14-jährigen Schülerin Myriam, die beim Girl´s Day hospitierte (“jeder Baum hat seine Geschichte -man muss sich nur darauf einlassen“); daneben ein Schild mit Text aus einer anderen Generation von unserer Dorstener Schwester Paula, überregional bekannt als Künstlerin Tisa von der Schulenburg, die damals im Ursulinen-Kloster lebte und arbeitete. Sie gibt uns den Rat: “Wenn Du in den Wald kommst, werde still. So wird der Wald zu Dir sprechen.“ Wir sind genug gelaufen und sind froh nun wieder die Hütte zu erreichen. Bernhard von Blanckenburg hat sie geschmückt mit einer Girlande und eine frische gelbe Papiertischdecke hat er auf den langen Tisch gezogen. Wir setzen uns daran und sind überrascht nun heißen Kaffee und Kekse zu bekommen. Das haben wir der Frau des Försters zu verdanken. Es ist alles da, Milch, Zucker, Löffelchen. Aber auch unser 1. Vorsitzender Harald Stucken war fleißig und stellt selbst gebackene Kekse auf den Tisch. Wie gut das nur tut in dieser Waldhütte zusammen zu sein, nun zu sitzen und sich auszutauschen. Den Kaffee mögen wir, er ist immer noch heiß.
Nun nach einiger Zeit, man hat ein Gefühl dafür, wann es weitergehen soll, die Fahrräder werden aufgenommen und die Rückfahrt beginnt. Diesmal ist es eine andere Strecke, wir wollen uns überraschen lassen. Am Bauernhof Siepenkötter vorbei, im Stadtsfeld vorbei am Bouleplatz und rüber über die Bochumer Straße. Wir passieren dann schon gleich die Gärtnerei Dreckmann und da stehen tatsächlich zwei Esel in der Wiese und etwas Kleinvieh, Schafe und Ziegen. Ein kurzes Auge darauf. Wir radeln weiter und schlängeln uns nun die schmale hübsch bemalte Brücke hoch, die wir in Sichtweite des Bahnhofs überqueren. Nun hinunter und nach 100m rechts drauf auf die neue kleine Tangente ,die parallel zu den Bahnschienen verläuft mit einer frisch gepflanzten Baumreihe von Ahornen oder Ebereschen, man müsste nochmal genauer hinsehen, ob es stimmt und dann sind wir schon am Ziel am Bürgerbahnhof und gleichzeitig am Ende unserer Fahrt. Dort wird dem Förster mit einem kleinen Präsent herzlich gedankt für die schöne Tour, das hat uns alles gut gefallen, bye, bye und jetzt kommt sogar die Sonne zwischen den Wolken noch hervor. Was für ein schöner Abschluss und wir haben wieder einmal mehr gesehen , wie schön, wie interessant und vielfältig Dorsten ist und wie gut es tut, jenseits aller Bequemlichkeiten, sich auf den Weg zu machen.
Der Verkehrsverein Dorsten sagt für dieses schöne Erlebnis Herrn von Blanckenburg ganz lieben und herzlichen Dank!












