Bilder & Berichte
2025: Radtour nach Schermbeck zum dortigen Heimatverein
Samstag, 26.07.2025
Ganz im Gegensatz zum vergangenen Programmpunkt, dem Hansetag in Recklinghausen, schien an diesem Samstag wieder wie gewohnt die Sonne vom Himmel herunter und die Anzahl unserer Teilnehmerinnen und Teilnehmer hat wieder den bekannten Umfang angenommen.
Leider musste mangels Anmeldungen die Fahrt mit einem Schlauchboot auf der Lippe bis nach Krudenburg im Anschluß an den Besuch in Schermbeck abgeblasen werden.
Ablauf der Tour
So konnten wir in Schermbeck dafür frei aufspielen. Birgit Lensing, Tourismusbeauftrage in der Stadtverwaltung Schermbeck, hatte für uns ein minutiös getaktetes Besuchsprogramm ausgearbeitet, das ungefähr bis 15 Uhr dauern sollte – es dauerte natürlich länger ! Schermbecker sind, so die vom Touristikamt herausgegebene Broschüre, Grenzgänger, denn in diesem schönen Ort stoßen alle vier Himmelsrichtungen aneinander: im Norden das Münsterland, im Süden das Ruhrgebiet, im Osten Westfalen und im Westen das Rheinland. Auf dieser natürlichen und historischen Grenze zu liegen, bringt nicht etwa Zerrissenheit mit sich, sondern die Gabe, aus allem das Beste zu machen und sich der unterschiedlichen Kulturen und Gebräuche zu bedienen. Das war aber nicht immer so, denn geschichtlich stießen in diesem Ort das Mittelfränkische und das ostfränkische Reich aneinander. Das heutige Schermbeck, ursprünglich auch Scirenbeke genannt (um 799), fiel dabei an das mittelfränkische Reich unter König Lothar und das heutige Altschermbeck und deren Ländereien an das ostfränkische Reich. Erst die kommunale Neugliederung 1975 vereinigt die beiden Ortsteile und gehört nunmehr zum Kreis Wesel. Doch für viele Alteingesessene ist die unsichtbare Linie, die knapp südlich der kath. Ludegeruskirche verläuft, immer noch Grenze und trennt „zwei Welten“ voneinander – die beiden Schützenfeste geben davon auch heute noch ein beredtes Zeugnis ab: gefeiert wird das Fest der Kilian-Schützengilde Altschermbeck sowie das Schützenfest der Kilian- Schützengilde Schermbeck zu unterschiedlichen Zeiten.
Mit seinen knapp 111 Quadratkilometern erstreckt sich Schermbeck über die Ortsteile Altschermbeck, Gahlen, Üfte, Overbeck, Rüste, Damm, Bricht, Dämmerwald und Weselerwald. Umgeben ist Schermbeck dabei von weiten Kultur- und Naturlandschaften wie z.B. den weitläufigen Dämmerwald oder die Üfter Mark sowie die Wacholderheide Loosenberge. Zunächst ging aber unsere Radtour zur innerdörflichen evangelischen Kirche St. Georg in der Kempkesstiege 2, wo uns Rainer Gardemann herzlich begrüßte und willkommen hieß. Bei einem Rundgang durch die Kirche zeigte er uns u.a. das wunderschöne 500 Jahre alte Altarbild, die Kirchenfenster, den Taufstein sowie weitere bedeutende Einrichtungen, u.a. auch ein hinter einer Wand verborgenes Relief, nachdem er zuvor schon das Äußere des Kirchenbaus, seiner Lage inmitten des Dorfes und dessen schicksalhaftes „Leben“ erläuterte.
Nach dem eindrucksvollen Besuch der Kirche führte uns der weitere kurze Weg dann zur ehemaligen Burganlage an den Teichen mit der alten Mühle. Mindestens ebenso bewegt war das Auf und Ab um diese um 1300 erbaute klevische Landesburg, auch Wasserschloss Schermbeck genannt. Sie wurde mehrfach zerstört und wieder aufgebaut. Heute befindet sie sich in Privatbesitz (Familie Prinz) und wird bewohnt. Einen kleineren Teil der alten Stadtmauer ist noch vom Grundstück aus zu sehen. Ein besonderes Highlight war der Abstecher zum Heimatmuseum, ein ehemaliges Ackerbürgerhaus und noch vor 1566 erbaut, ist es das älteste erhaltene Wohngebäude im Ort, wo uns das ehrenamtliche Mitglied des Heimatvereins, Ingrid Brinkmann mit offenen Armen empfing. Sie konnte uns in den liebevoll gestalteten Ausstellungsräumen viel über die Vergangenheit, das Handwerk, den ehemaligen Bahnhof usw. sowie das Alltagsleben in der Region erläutern. Alte Werkzeuge, traditionelle Trachten und zahlreiche Fotografien weckten Erinnerungen und eröffneten spannende Einblicke in frühere Zeiten.
Die herzliche Atmosphäre und die vielen Anekdoten der Gastgeber*innen sorgten dafür, dass die Zeit wie im Flug verging. Gestärkt und voller neuer Eindrücke machten wir uns schließlich auf den Rückweg, nicht ohne vorher noch zum jüdischen Friedhof in der Gartenstrasse gewesen zu sein. Hier empfing uns der ehemalige Pfarrer Bornebusch, der uns natürlich zu der Anlage selbst, den einzelnen Grabsteinen mit ihren Inschriften und generell über das jüdische Brauchtum etwas erzählte. Die Teilnehmenden des Verkehrsvereins Dorsten waren sich einig, dass der Tag – trotz des entfallenen Lippe-Abenteuers – ein voller Erfolg war. Mit Vorfreude blicken wir schon auf die nächste gemeinsame Unternehmung, nicht ohne unseren Gastgebern ganz herzlich für die freundliche Aufnahme und den vielen Erläuterungen und den Rundgängen zu danken!
















