Bilder & Berichte

2026: Radtour „Artenvielfalt in Dorsten - Hotspots im urbanen Raum“

Samstag, 30.05.2026

Das Wetter war wieder einmal perfekt für diese Exkursion, an der außergewöhnlich viele an dem Thema interessierte Menschen teilnahmen und unser Leiter Max Caesar war bestens vorbereitet.

Zunächst führte die Radtour in den ehemaligen Kohlehafen zwischen Lippe und Kanal, der 1930 als Umschlagplatz für die Kohle aus dem Ruhrgebiet auf einer Fläche von ca. 13 ha seinen Dienst begann und erstreckt sich zwischen dem Gelände des Jachthafens und der bekannten blauen Brücke über die Lippe – er gehört incl. des Jachtclubs bis heute immer noch zur RAG AG.

Ablauf der Tour

Ab 2001 wurde dieses spezielle Gelände nicht mehr industriell genutzt. Ursprünglich war hier im Regionalplan ein allgemeiner Siedlungsbereich für eine zweckgebundene Nutzung mit einer Marina vorgesehen. Aber dieser Plan ist in der Umsetzung viel zu teuer und so konnte sich die Natur ausbreiten. Heute wachsen hier viele seltene und spezialisierte Pflanzen wie z.B. das Tausendgüldenkraut und Steppenwolfmilch, auch Thymian ist dort neben anderen Gewächsen zu finden. Die offenen sandigen Flächen bieten Lebensraum für Wildbienen und andere Insekten. Nur gelegentlich wird die Fläche incl. des niedrigen Buschbewuchses „gemäht“ und so ist sie heute ein Beispiel dafür, wie Industriebrachen zu wertvollen Hotspots der Artenvielfalt werden können.

Wir fahren jetzt weiter hin zur blauen Brücke und fahren darüber bis zur Hervester Seite – hier ein weiterer Halt und Max Caesar erklärt zur Lippe und den dortigen Auen: Die eingedeichte Lippe dient heute dem Lippeverband als Hochwasserschutz und wird immer wieder darauf hin überprüft. Es ist ein strukturreiches Naturschutzgebiet. Auf der anderen Uferseite befinden sich die überaus wertvollen Auenwälder und der Biber ist hier mittlerweile zuhause aber auch Fischotter kann man mit viel Glück zu Gesicht bekommen. Auch Füchse, Dachse und Rehe leben hier neben zig Insektenarten, Enten, Kiebitzen und anderen Arten. Weiter geht es nun auf dem Deich in Richtung Dorf Hervest, vorbei am dortigen Heimathaus , wir queren die Dorfstraße und fahren weiter durch die Orthöve bis kurz hinter dem Milchhof Wübbelt, biegen dort nach links ab auf die Halterner Strasse, überqueren diese, stoßen auf den Brauckweg und machen den nächsten Halt am Hervester Bruch vor dem Storchennest. Zuvor staunen wir über den Fortschritt des dortigen Wasserstoffleitungsbaus von Thyssengas und OGE.

Hier auf der Ostseite des Bruchs am Storchennest verweilen wir eine Zeitlang und Max Caesar erläutert das vor uns liegende Szenario. Der Hervester Bruch ist ein Niedermoor als Bestandteil des insgesamt weit ausgedehnten Naturschutzgebietes. Dieses besteht seit 2005 und ist fast 700 Hektar groß und bietet zahlreiche Feuchtgebiete, Tümpel und Wassergräben. Größtes Gewässer ist ein kleiner See, der erst in den 1990er Jahren durch Bergsenkungen entstanden ist und davor noch landwirtschaftlich genutzte Flächen darstellte. Besondere Tiere haben sich eingestellt und während der Brutzeit kann man gleich an mehreren Standorten aus der Entfernung Storchennester samt Störchen und Nachwuchs beobachten. Wir schauen durch ein Fernglas diesen Großvögeln in ihrem Horst zu und ebenso in dem mächtigen Baum gleich nebenan, wo mehrere Nester dieser Schreitvögel verborgen sind. Auch die Wasserbüffel und Heckrinder auf der anderen Seite sind seit 2004 eine Attraktion, die hier dafür sorgen, dass die Pflanzen niedrig gehalten werden und verhindern, dass das Gelände mit dichten Büschen überzogen wird.

Weiter geht es jetzt den Brauckweg entlang und nach rechts in den Wedenhof. An der dortigen Tisch- und Begehungsanlage halten wir und schauen noch einmal in den weitläufigen Hervester Bruch, das dortige Storchennest und auf die dem Wedenhof gegenüberliegenden feuchten Röhrichtfelder – ein wahres Eldorado. Hier machen wir auch unser Foto von der ganzen Gruppe. Jetzt fahren wir zurück in die Gälkenheide zum Ausgang dieses wunderbaren Naturschutzgebietes. In Höhe des dort fließenden Wienbaches läßt Caesar noch einmal anhalten und erläutert uns hier das „Wienbachsystem“: Es ist ein naturnahes Fließgewässernetz in Dorsten. Dieses System bietet sauberes, kühles und sauerstoffreiches Wasser, Kies- und Sandbänke sowie strukturreiche Ufer mit idealen Bedingungen für seltene Fischarten. Hier ist z.B. die kleine unscheinbare Groppe zuhause und ein Indikator für gute Wasserqualität. Neben dem winzigen nachtaktiven Steinbeißer, der empfindlich auf Verschmutzungen reagiert und dem urzeitlichen, aalähnlichen und streng geschützten Bachneunauge. Sie alle zeigen, dass das Wienbachsystem ein sehr wertvoller Lebensraum ist.

Herrn Max Caesar sagt der Verkehrsverein Dorsten ganz herzlichen Dank für seine Führung zu den verschiedenen Hotspots der Biodiversität (Artenvielfalt), sowohl im urbanen Raum als auch in der umgebenden Kulturlandschaft.

Fotos