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2018: Radtour zum Thema „Biologische Vielfalt (Biodiversität) in Dorsten“

Sonntag, 17.06.2018

Zu diesem speziellen und aktuellen Thema – das uns alle interessieren und berühren sollte – führte uns Hans Rommeswinkel.

Der in diesem Thema bis ins Detail versierter Fachmann vom Planungs- und Umweltamt der Stadt Dorsten, bei freundlichem Wetter und per Rad eine größere Teilnehmergruppe des Verkehrsvereins und seiner Gäste durch vier verschiedene Landschaftsformen unseres weitläufigen Stadtgebietes (Park-, Wald-, Folge- und Wasserlandschaft) - sowohl durch die Innenstadt , dem Stadtsfeld, der Feldmark bis Richtung Altendorf , vorbei an der Schleuse , hinein in den Hervester Bruch bis hinaus in die nördlichen Landgemeinden Barkenberg (Neu-Wulfen) und weiter.

Tagesziel war das diesjährige Sommerfest der Biologischen Station des Kreises Recklinghausen in Lembeck (ehem. Hof Punsmann), die an diesem Tag unter Teilnahme politischer und verbandlicher Mandatsträger ihren im Rahmen des Kooperationsprojektes „WEGBAR“ barrierefrei neu gestalteten Innen- und Außenbereichs - rund um den wunderschönen Bauerngarten mit den Steinmauern, den Obstbäumen, Weiden und den Wasserteichen – neu eröffnete. Sie alle können eine Vielzahl an Lebensformen beherbergen und somit ein Quellgebiet der Biodiversität ausbilden. Der Begriff „Biodiversität“ bedeutet schlicht Vielfalt an natürlichen Lebensformen und Lebensgemeinschaften von Gehölzen, Pflanzen, Moosen, Flechten und Tierarten. Diese Biodiversität – sprich Artenvielfalt - ist aber durch den Rückgang an Lebensräumen akut immer mehr gefährdet. Der Schwund an Vielfalt bedroht somit geeignete, natürliche Lebensräume und Lebensgemeinschaften und wir „Stadt-Menschen“ verlieren damit immer mehr diese Erlebniswelt. Ca. 70 % der Lebensräume (Biotope) sind in unserem Land bereits auf diesem Gebiet gefährdet. Das bekannte und immer mehr in den öffentlichen Fokus gerückte Insektensterben umfasst dann als Folge naturgemäß auch die Vogelwelt und andere Nahrungsketten, die ja in gegenseitiger Abhängigkeit der verschiedenen Arten stehen – „alles ist mit Allem verbunden“.

Ablauf der Tour

Erste Etappe dieser naturnahen Exkursion per Rad war ein Teilstück der Alten Stadtmauer“ im Bereich des Westgrabens/Im Kühl). Vom Menschen kaum beachtet, machte Hans Rommeswinkel die Gruppe auf das im Mauerwerk u.a. vorhandene Zimbelkraut (Cymbalaria muralis) aufmerksam).Es ist eine typische Mauerpflanze, wärmeliebend und Heilpflanze. An der Stadtmauer wächst eine ganz eigene typische Mauerfugenpflanzengesellschaft Nächste Station war der Ostgraben/Ostwall in Verlängerung des hinteren Teils der Wall-und Grabenanlage – gegenüber dem hinteren Ausgang des St. Ursula Gymnasiums. Hier wurde nach Klärung des Planungs- und Umweltamtes der Stadtverwaltung und mit Hilfe der Grünflächenabteilung von der Bürgerschaft (Imkerei Möllers, NABU, St.Ursula Gymnasium, Verkehrsverein Dorsten) eine ehemalige Grasfläche durch die Pflanzung von ca. 1600 Wild-und Kräuterpflanzen in ein Naschparadies für Bienen, Schmetterlnge und andere Insekten verwandelt.

Die finanzielle Unterstützung erfolgte auf Basis eines genehmigten Bürgerfonds im Rahmen des Projektes „Urbanes Gärtnern/Biodiversität) von „Wir machen MITte“. Da zu dieser Zeit schon beinahe alles blühte, konnten die Teilnehmer nicht nur die schönen Farben und das stockwerkartig, strategisch geplante „Gesamt-Ensemble“ genießen, sondern natürlich auch herumfliegende Bienen und Schmetterlinge wahrnehmen. Hier hoffen die Kooperationspartner auf viele Nachahmer – auch in kleinerem Maßstab - in unserer Stadt. Durch die Recklinghäuser Strasse – hier stehen vier von den anwesenden Geschäftsleuten gesponserten und zu pflegenden Hochbeete – alle im Ausbildungszentrum Nies zusammengesetzt und ebenfalls eingebunden in das erwähnte Großprojekt „Wir machen MITTte“. Die ebenfalls bienen- und insektenaffine Bepflanzung – je nach Geschäftsmodell schwerpunktbezogen - ist jetzt schon üppig und mehr als sehenswert – und ist eine echte Bereicherung der Fußgängerzone. Nur ein kurzer Abstecher galt jetzt dem Besuch des Teams von „Wir machen MITte“ in einem Hinterhof der Bürogemeinschaft Kiecok Brilo Vennemann in der Ursulastrasse 7). Thema war hier das rel. schwierige Projekt der geplanten „Innenhofbegrünung“ Freundlicherweise hat der hiesige Florapark in Östrich für diesen Tag geeignete Pflanzen zur Verfügung gestellt. Hier blieb nur wenig Zeit, denn es lagen ja noch einige zu diesem Thema interessante Stellen vor uns, bevor es auf die Strecke in den Norden Dorstens ging.

Es gibt ja in unserem Stadt noch ein weiteres bürgerschaftliches Projekt: Vier liebevoll bepflanzte und gepflegte Hochbeete an der Alleestrasse unterhalb des „Wacholderhäuschens“ und am Eingang zum „Wincks-Mühlen-Park“ in unmittelbarer Nähe des dort fließenden „alten“ Schölzbaches - in Kooperation mit der Grünflächenabteilung, dem Seniorenheim „Haus Keller“ und engagierten Bürgerinnen und Bürgern. Diese besondere Stelle nutzte dann unser Tourenleiter, engagierter Umweltfachmann und passionierter Naturschützer aus, die Besuchergruppe auf die immer mehr zurückgegangenen Artenvielfalt aufmerksam zu machen und zu sensibilisieren: „ Wer aus der Gruppe beobachtet bitte einmal während unserer Tour die Spatzen, wer die Schmetterlinge - die wir doch alle aus Kindheitstagen im Übermaß erlebt haben? Und schon ging es auch wieder weiter zum nächsten Ziel, vorbei am sog. „Klimawäldchen“ mit der idyllisch anmutenden Brücke über den dahinplätschernden „alten“ Schölzbach in Verlängerung des Goldbrink-Waldes. Hier war einmal die Nachtigall zuhause! Durch das neu erbaute schöne „Dichter“-Viertel durch die Heinrich-Heine-Strasse, ging es in die Feldmark und hinauf auf die durch großes Bürgerengagement gerettete sog. „Hohe Brücke“.

Ein kurzer Halt für diverse Erklärungen zum Thema und der Geschichte der Brücke auch hier. Nach deren Überquerung ging es nach rechts abbiegend weiter, auf die Gelsenkirchener Strasse und kurz darauf wurde am dort fließenden „neuen“ Schölsbach nach links auf einen naturschönen, idyllisch anmutenden Rad- und Fußgängerweg, immer mit Blick auf das Fließgewässer, bis zur Barbarastrasse und weiter auf die Bochumer Strasse kurz vor der Traditionsgaststätte Maas-Timpert eingebogen. Das neue Ziel war jetzt die stadtbekannte Imkerei Möllers, die an diesem Tag ebenfalls ihr Garten- und Bienenparadies für die Öffentlichkeit öffnete. Obwohl noch vor der eigentlichen Öffnungszeit, erwartete man uns hier bereits. Detailliert und mit großer Hingabe wurde uns hier anschaulich und prägnannt das wesentliche einer professionellen und mit hohem Anspruch betriebenen Imkerei gezeigt. Beim anschließenden Blick in die Tiefe des naturnah gestalteten Gartens ging dem Naturfreund „das Herz auf“. Nach einem herzlichen „Auf Wiedersehen“ ging es quer über die Bochumer Strasse in das Stadtsfeld, dort auf dem Bruckner Weg immer parallel zum Schölsbach, der in unmittelbarer Nähe zum schönen Mischwald des Barloer Buschs dort dann in den Rapphoffs Mühlenbach einmündet.

Nach Querung der Marler Strasse ging es hinüber über die Schleusenstrasse hoch zur bekannten Schleuse über den Wesel-Datteln-Kanal. Hans Rommeswinkel ließ dann aber zuvor noch in Höhe Fernmeldebau Baumann an einem technischen Bauwerk der Stadt Dorsten, einem Regenrückhaltebecken mit vorgeschaltetem Hebe-und Absetzbecken kurz anhalten um dann weiter über die Schleuse auf den durch waldreicher Natur und längs der Lippe mit ihren Auen verlaufenden Hammer Weg in Richtung Dorf Hervest zu fahren. Hier ging es nach Querung der Dorfstrasse in die Orthöve und weiter in den Hervester Bruch mit seiner hohen biologischen Vielfalt – ein wahres Naturparadies und artenreiches Feuchtbiotop. Über die im Bogen verlaufende Strasse „Zum Ostendorfer Kamp“ ging es durch Alt-Wulfen bis hin zum Gemeinschaftshaus in Barkenberg (GHW) – hier kurzer Treff – danach weiter über die Holzbrücke seitlich der Gesamtschule und an derSporthalle links vorbei. Hier zeigte uns unser städtischer Fachmann und Tourenleiter dann wieder ein kleines Naturparadies mit großer ökologischer Vielfalt: Unter dem Oberbegriff „Energie aus Wildpflanzen“ entstand u.a. auch an dieser Stelle in 2015 und ff. ein Areal mit insektenfreundlichen und energiereichen Wildpflanzen. „GrünSchatz“ ist ein gemeinsames Forschungsprojekt der Stadt Dorsten in Zusammenarbeit mit dem Institut für Landschaftsökonomie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und der Landwirtschaftskammer NRW.

Unterstützt wird das Projekt durch das Netzwerk Biomasse der EnergieAgentur NRW und das Zentrum für ländliche Entwicklung (ZeLE). Mit Fördermitteln des Umweltministeriums NRW soll über vier Jahre untersucht werden, ob heimische Wildpflanzenmischungen neben Mais als Biomasse für Biogasanlagen genutzt werden können. Dabei soll es sowohl um eine wirtschaftliche wie ökologische Betrachtung der Ergebnisse gehen. 2015 wurde auf zwölf Flächen (sechs davon in Dorsten) ein Mix aus 22 verschiedenen Wildpflanzen eingesät. Der Anbau auf den Versuchsflächen soll zeigen, inwiefern sich die Wildpflanzen positiv auf die Ökologie und das Landschaftsbild auswirken und dabei ökonomisch akzeptable Erträge liefern). Entlang des durch Barkenberg fließenden Midlicher Mühlenbaches – jetzt mit einem Wasserrad im Bereich der Gesamtschule/ Sporthalle versehen - durch idyllische Natur entlang des Barkenberger Sees ging es auf verschlungenen Wegen an der ehemaligen Ausflugsgaststätte „Zum Wiesental“ und der Midlicher Mühle vorbei, dort Querung der Lippramsdorfer Strasse, vorbei am DPSG-Pfadfinderheim des Kreises Recklinghausen, der ehemaligen Schule Beck durch den Wald hoch bis zur Biologischen Station des Kreises, Im Höltken 11 die an diesem Tag ihr o.g. Sommerfest. Als Gastgeschenk wurden deren Leiter, Herrn Georg Tenger, zwei von der Dorstener Arbeit (DA) gestalteten Beutel mit ausgesuchtem, insektenfreundlichem Saatgut überreicht, die in Summe aller ausgegebenen Beutel für 1 Morgen Blühfläche reichen.

Hans Rommeswinkel und der Imkerei Möllers gilt seitens des Verkehrsvereins ein ganz großes Dankeschön für diese tolle und lehrreiche Exkursion.

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