Bilder & Berichte

2020: Radtour mit Besuch Schloß Lembeck – dort Führung durch Ferdinand Graf von Merveldt

Sonntag, 11.10.2020

Der Besuch bei Graf von Merveldt war für 12:00 Uhr im Schloßhof verabredet – bei gutem Wetter sollte die Exkursion per Rad, bei regnerischem Wetter per pedes erfolgen. Nun es war wechselhaftes Wetter an diesem Sonntag angesagt und so reisten einige der angemeldeten Teilnehmer*innen per PKW an und es wurde eine Fußwanderung in den weitläufigen, schönen Hagen.

Die Radtour verlief in zügigem Tempo vorbei am blauen See Richtung Deuten, weiter auf dem Lasthausener Weg in den Schöning, weiter entlang „Am Hagen“ und dann hinter der Einmündung zum Michaelisweg in den Wald hinein zum Hintereingang des weitläufigen Schloßparks, wo uns der Hausherr mit den „PKW-Reisenden“ begrüßte. Nach Abstellen der Räder und der üblichen Zahlung des Eintrittsgeldes ging es dann in den Vorhof der wunderschönen Schloßanlage, bestehend aus der Vorburg, dem Herrenhaus, dem Kapellenturm und der Parkanlage. Der Himmel hatte sich aufgeklärt und bei herrlichem Sonnenschein hieß uns jetzt Graf von Merveldt herzlich willkommen.

Ablauf der Tour

In gebührendem Abstand zueinander und mit Mund-Nasenschutz der aktuellen Corona-Pandemie wegen geschützt, lauschten wir Besucher andächtig seinen Ausführungen. Dazu 1. ein Auszug aus „Dorsten-Lexikon“: Das Wasserschloss gehöre wohl zu den bedeutendsten frühbarocken Anlagen unter den westfälischen Wasserschlossbauten. Der Kontrast der massigen Baukörper zu den vorgezogenen Türmen mit ihren barocken (böhmischen) Hauben und Laternen. Das spätere Schloss war ursprünglich ein „festes Haus“ der Herren von Lembeck und wurde im 14. Jahrhundert zur wasserumwehrten Burganlage (Gräfte) ausgebaut. Ab 1526 befand es sich durch Heirat im Besitz der Familie von Westerholt. Von 1670 bis 1692 erfolgte der Ausbau und die Erweiterung zur Dreiflügelanlage durch Dietrich Konrad Adolf von Westerholt zu Hackfurth. Baumaterial ist Sandstein aus der benachbarten Hohen Mark. Eine Besonderheit der Schlossanlage ist die Ostwest-Wegeachse, die sich beidseitig des Schlosses im Wald verliert und unter der Hauptburg hindurchführt. 1708 kam das Schloss durch Heirat in den Besitz der freiherrlichen Familie von Merveldt, die 1726 in den erblichen Reichsgrafenstand erhoben wurde. Bei einem Spaziergang auf der langen und imposanten Wegeachse von der Wulfener Straße bis hin zum Eingang des Waldgebietes „Hagen“ - durch die Torbögen der denkmalgeschützten Gebäude hindurch, über die Brücken der Gräfte - erläuterte Graf von Merveldt neben den einzelnen baulichen Attributen und Stuckarbeiten, den baulich immer wieder notwendigen Sanierungs- und Renovierungsarbeiten auch den historischen Werdegang seiner Familie bis hin zur Jetztzeit und erwähnte voller Stolz, dass einer der Söhne nach betriebswirtschaftswissenschaftlichem Studium aktuell z.Z. noch Forstwirtschaft im italienischen Padua studiere und wohl auf Schloß Lembeck eines Tages seine Nachfolge antreten werde – dann aber mit dem zusätzlichen Wissen über mediterane Gehölze, die aufgrund der Klimaveränderung möglicherweise in unseren Breiten eine immer größere Bedeutung erlangen könnte.

Natürlich wurden beim Spaziergang auch der Blick auf die wunderschöne Parkanlage mit ihren imposanten großen und oftmals allein stehenden großen Bäumen gelenkt - jetzt konnte auch schon die beginnende Herbstfärbung der Ahorn- und Hickory-Bäume bewundert werden – alles angelegt nach wie vor im englischen Landhausstil. Hier erwähnte Graf von Merveldt aber auch die bei der anhaltenden Trockenheit der letzten 3 Jahre aufgekommene Hinfälligkeit einzelner Bäume und damit oftmals ein einhergehender unvorhersehbarer „Abwurf“ von Ästen – ein Momentum, dass bei den jährlich stattfindenden großen und weit über die Dorstener Grenzen hinaus beliebten Park-Events berücksichtigt werden muß. Es ging weiter zum Ende des Parks hin bis zum schönen Abschlußtor und dort – nach Überquerung des Lembecker Wiesenbaches hinein in den Forst. Der Bach wird auf dem Schlossareal zu einem rechteckigen, 190×160 Meter messenden und die Anlage umgebenden Teich gestaut. Die einzelnen Teile des Schlosses liegen so auf Inseln, die durch Brücken miteinander verbunden sind. Er machte nur ein paar Schritte nach links und unter einer mächtigen Hainbuche gab der ausgewiesene Naturfreund, NABU-Mitglied und exzellenter Forstwirtschaftler und -kenner ( nur mit „NRW-Abitur“, wie er immer wieder kokettierend einwarf) uns Besuchern einen kleinen Einblick in das 1x1 der Wald- und Forstwirtschaft und diesbezüglichen Naturvorgängen – einfach wunderbar und hoch interessant. Und natürlich ließ er uns auch so manche Baumart nur anhand deren Blätter- alles in einem Umfeld von ca. 1- 2 Qudratmetern erraten und bestimmen – ein Eldorado, ein Paradies an Artenvielfalt (Biodiversität) – allein schon nur auf diesem Stückchen heimischer Erde. Es ging dann etwas tiefer waldeinwärts und so mancher forsttechnische Begriff wurde erwähnt und erläutert, z.B. das „Rücken“ des gefällten Holzes, die „Kalamität“ von kranken Bäumen, u.s.w. Dazwischen immer wieder wunderschön hoch und im Umfang imponierend gewachsene Bäume und Sträucher – Laub (Eiche, Buche, Linde, Esskastanie Esche, Wildkirsche, Ilex u. s.w.) - wie auch Nadelbäume (Fichte, Tanne, Kiefer,Eibe, auch Douglasie und Mammut-Lebensbaum) – was ganz besonders wichtig ist für eine dem Klimawandel trotzende Forstwirtschaft – und schon vom Großvater und Vater des Grafen mit Weitblick und hoher fachlicher Kenntnis angelegt, von deren Existenz er heute profitieren kann, wie er immer wieder betonte. Und als es dann doch langsam kühler wurde und sich Kaffeedurst bei den Teilnehmern*innen breit machte, da waren wir dann auch absprachegemäß wieder am großen Tor angekommen – ein Bereich u.a. mit mächtigen, wildwachsenen Rhododendron-Stäuchern, die neben dem eigentlichen vom ehemaligen Gartenbaumeister Nottelmann seinerzeit angelegten schönen Rhododendron- und Azaleenpark, ebenfalls zur Blütezeit im Mai/Juni staunend anzusehen sind.

Dazu auch ein 2. ein Auszug aus der Homepage von Schloß Lembeck: Im Lembecker Wald wachsen über 50 verschiedene Baumarten. Obwohl der Wald bereits über Generationen gepflegt und forstwirtschaftlich genutzt wird, ermöglicht diese Vielfalt ein natürliches Pflanzenwachstum im Bodenbereich und bietet vielen Säugetieren, Vögeln und Insekten ein Zuhause. Die Biodiversität macht es möglich, dass, wie in einem unberührten Wald, Ameisen unter den Fichten mit den Nadeln ihre Haufen anlegen und Hirsche und Wildschweine im Winter Kastanien und Eicheln als Futterergänzung finden. Unterstützt wird dies durch verschiedene Kulturen von Jungpflanzen sowie durch Naturverjüngung, d. h. eine Vermehrung der Pflanzen ohne Einmischung des Menschen. Das in unserem Wald geschnittene Bauholz wird z. B. für den Bau von Hausdächern, Möbeln und Parkettböden genutzt.Die Graf von Merveldt´sche Forstverwaltung selbst firmiert wie folgt: Waldbesitzer ist Ferdinand Graf von Merveldt, Forstverwalter ist Martin Böckenhoff.

Jetzt blieb dem Dorstener Verkehrsverein nur noch ganz großen und herzlichen Dank auszusprechen - dem Schloßherrn, Ferdinand Graf von Merveldt selbst für seinen mit ganz viel Herzblut durchgeführten Rundgang durch sein wunderschönes Anwesen und damit verbunden auch für seine Gastfreundschaft, seiner „guten Seele“ Frau Taylor, die die Organisation dieses Besuches innehatte und hier eingeschlossen dem Team unserer stadtinfo/Stadtagentur in Dorsten für das Management der Teilnehmer*innen-Liste in Corona-Zeiten - und dann verabschiedeten wir uns von ihm mit dem Eindruck, dass auch er wohl Freude an unserem Besuch hatte.

Diesen Dank gilt es aber unbedingt an dieser Stelle auszuweiten auf den uns begleitenden Forstamtmann i.R., Herrn Dipl-ForstIng. Bernhard von Blankenburg, der lange Jahre fachlich hoch qualifizierte Stellungnahmen erarbeitet und sich zu verschiedenen städtischen Themen kontinuierlich weit über das beruflich notwendige Maß hinaus engagiert hat“, so lobte die Stadt seinerzeit seinen 30-jährigen Einsatz im Forstbetriebsbezirk Dorsten bei seiner Versetzung in den Ruhestand Ende des Jahres 2017 : „Für viele Dorstener, die sich für Naturfragen interessieren, sei Bernhard von Blanckenburg darum eine Identifikationsfigur. Er lebe für das Thema Wald und Forst mit all seinen ökologischen Zusammenhängen für Umwelt und Natur. Der Barloer Busch (Stadtswald) war ihm lange Jahre und ist ihm bis heute ebenfalls eine Herzensangelegenheit. Das durfte der Verkehrsverein ebenfalls schon mehrfach erfahren und eine Begegnung mit ihm freut ihn immer wieder.

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